Erfolgreiche Erprobung des „InvestKompasses“ im Fachbereich Stadtentwicklung der Stadt Forst (Lausitz)

Kommunen stehen zunehmend vor der Herausforderung, investive Maßnahmen aus einer Vielzahl an Konzepten, Strategien und Planungsdokumenten strategisch zu steuern, zu priorisieren und nachvollziehbar zu begründen. Gleichzeitig fehlt es häufig an systematischen und anschlussfähigen Werkzeugen, um Maßnahmen vergleichbar zu bewerten und Synergien zwischen räumlichen und thematischen Handlungsfeldern sichtbar zu machen.

Mit dem „InvestKompass“ der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH liegt ein erprobter Prototyp vor, der eine zweckrationale Bewertung und Priorisierung investiver Einzelmaßnahmen auf Grundlage abgestimmter Entwicklungsziele sowie räumlich verorteter Handlungsbedarfe ermöglicht. Ziel des Werkzeugs ist es, kommunale Investitionsentscheidungen transparenter, strategischer und wirkungsorientierter auszurichten.

Zur Weiterentwicklung des Werkzeugs wurde der „InvestKompass“ im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Bundesministeriums der Finanzen in drei Kommunen unterschiedlicher Größe und Struktur angewendet und verprobt: Magdeburg, Pirmasens und Forst (Lausitz). Ziel der Verprobung war es, praxisnahe Erkenntnisse zur Nutzendenfreundlichkeit, zur Integration in kommunale Entscheidungsprozesse sowie zur Wirkung des Instruments in der Anwendung zu gewinnen.

Anwendung des „InvestKompass“ in Forst (Lausitz)

Für die Stadt Forst (Lausitz) wurden insgesamt 25 formelle und informelle Planungsinstrumente ausgewertet. In sechs zentralen Konzepten konnten ergänzende, lokalspezifische Entwicklungsziele identifiziert und formuliert werden. Diese Ziele ergänzen die allgemeinen Zielkategorien des „InvestKompass“ und bilden die Grundlage für die Bewertung investiver Maßnahmen.

Auf dieser Basis wurden sieben lokalspezifische Entwicklungsziele für eine nachhaltige und zukunftsfähige Stadtentwicklung der Stadt Forst (Lausitz) abgeleitet. Dazu zählen unter anderem die Stärkung der Innenstadt und des Zentrums, die Revitalisierung von Altindustriestandorten, die Sicherung eines wettbewerbsfähigen und zentrenverträglichen Einzelhandels sowie die nachhaltige Sicherung des Fachkräftebedarfs.

Im nächsten Schritt wurden ausschließlich solche Maßnahmen betrachtet, die konkret investiv, räumlich verortbar, öffentlichkeitswirksam und langfristig wirksam sind. Auf dieser Grundlage konnten aus acht relevanten Konzepten insgesamt 99 investive Einzelmaßnahmen identifiziert und in standardisierten Maßnahmensteckbriefen erfasst werden.

Räumliche Einordnung durch die Stresskarte

Ergänzend zur inhaltlichen Bewertung der Maßnahmen wurde im Rahmen der Verprobung eine sogenannte „Stresskarte“ für die Stadt Forst (Lausitz) erstellt. Ziel der Stresskarte ist es, räumlich verortete Herausforderungen und Handlungsbedarfe sichtbar zu machen und diese in die Bewertung investiver Maßnahmen einzubeziehen.

Abbildung 1-3: Kartierung von themenspezifischen Raumanalysen (v. l. n. r.: Bildung, Hochwasserrisiko und ÖPNV-Erreichbarkeit) als Grundlage einer „StressKarte“ zur Verortung von Handlungsbedarfen

Hierzu wurden verschiedene thematische Datenebenen – unter anderem zu klimatischen Risiken, baulichen Strukturen, infrastrukturellen Defiziten und sozialen Rahmenbedingungen – stadträumlich analysiert und überlagert. Die daraus entstehende Stresskarte zeigt Bereiche mit erhöhtem Handlungsdruck und ermöglicht eine räumliche Kontextualisierung der geplanten Maßnahmen.

In der Bewertung des „InvestKompass“ erhalten Maßnahmen zusätzliche Punkte, wenn sie gezielt auf identifizierte lokale Stressfaktoren reagieren und zu deren Minderung beitragen. Auf diese Weise wird nicht nur die Zielerreichung einer Maßnahme bewertet, sondern auch ihre Wirksamkeit im konkreten stadträumlichen Kontext berücksichtigt.

Das Zusammenspiel von inhaltlicher Zielbewertung und räumlicher Stressanalyse schafft eine fundierte Grundlage, um Synergiepotenziale zu erkennen, Maßnahmen strategisch weiterzuentwickeln und Investitionen dort zu bündeln, wo sie den größten Mehrwert für die Stadtentwicklung entfalten können.

Zentrale Ergebnisse der Maßnahmenbewertung

Die Bewertung der 99 Maßnahmen erfolgte anhand eines transparenten Punktesystems der definierten Zielkategorien sowie unter Berücksichtigung räumlicher Stressfaktoren aus der Stresskarte. Die Ergebnisse zeigen deutlich:

Maßnahmen mit einem breiten inhaltlichen Profil, die mehrere Zielkategorien gleichzeitig adressieren, entfalten hohe Synergiepotenziale und erreichen die besten Bewertungen.

Besonders hoch bewertet wurden unter anderem die Sanierung der Bahnhofstraße, die Wohnumfeldgestaltung im Innenhofbereich (Kegeldamm/Am Haag/Rüdigerstraße) sowie die Entwicklung des Areals Planckstraße 8.

Maßnahmen im Mittelfeld bedienen mehrere Zielkategorien, weisen jedoch geringere Synergieeffekte auf. Durch eine gezielte Ergänzung – etwa um ökologische, soziale oder klimarelevante Komponenten – können diese Projekte strategisch aufgewertet werden. Spezialisierte Einzelmaßnahmen, die ausschließlich auf einzelne Zielkategorien (z. B. Mobilität) einzahlen, erreichen geringere Gesamtbewertungen, bleiben jedoch fachlich weiterhin relevant.

Abbildung 4: Ergebnis und Interpretation der Maßnahmenbewertung für 99 erfasste investive Maßnahmen (hier aus datenschutzgründen ohne Projekttitel)

Strategische Einordnung der Ergebnisse

Die Gesamtbetrachtung der bewerteten Maßnahmen erlaubt Rückschlüsse auf die planungspolitische Ausrichtung der Stadt Forst (Lausitz). Besonders stark vertreten ist die Zielkategorie ressourceneffiziente Flächennutzung, was den Fokus auf Innenentwicklung, Umnutzung und Revitalisierung widerspiegelt.

Ebenfalls deutlich sichtbar ist die Bedeutung der Konservierung des (bau)kulturellen Erbes, die sich in zahlreichen hoch bewerteten Maßnahmen wiederfindet und die bestehende Industrie- und Kulturerbestrategie der Stadt bestätigt.

Demgegenüber sind Maßnahmen in den Bereichen Naturschutz und Artenvielfalt, wettbewerbsfähige Wirtschaftsstandorte sowie gesundes Lebensumfeld vergleichsweise schwächer ausgeprägt. Der „InvestKompass“ macht diese Schwerpunkte und Entwicklungspotenziale sichtbar und bietet damit eine belastbare Grundlage, um zukünftige Investitionen wirksamer zu bündeln, Synergien besser zu nutzen und Prioritäten nachvollziehbar zu begründen.

Mehrwert für die kommunale Praxis

Mit der Anwendung des „InvestKompasses“ erhält die Stadt Forst (Lausitz) nicht nur eine priorisierte Übersicht investiver Maßnahmen, sondern eine strategische Entscheidungsgrundlage, die Transparenz schafft, Synergien sichtbar macht und die Weiterentwicklung bestehender Projekte unterstützt.

Die Ergebnisse können als fachliche Grundlage für verwaltungsinterne Abstimmungen, politische Entscheidungsprozesse sowie für die Kommunikation gegenüber Fördermittelgebenden und Öffentlichkeit genutzt werden. Der „InvestKompass“ unterstützt damit eine nachvollziehbare, wirkungsorientierte und strategisch ausgerichtete kommunale Investitionsplanung.

Der Fachbereich Stadtentwicklung der Stadt Forst (Lausitz) freut sich im Rahmen dieses Forschungsvorhabens von der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH ausgewählt worden zu sein und wird die weitere Entwicklung interessiert verfolgen.

KONTAKT

Stadt Forst (Lausitz)
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03149 Forst (Lausitz)
Fachbereich Stadtentwicklung
Herr John-Willy Schönig
Tel.: 03562 989-405
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